Berlin, 28.04.2026
Ökosystem stagniert bei knapp 190 Mio. Euro Umsatz und 5.500 Beschäftigten – Branche blickt dennoch optimistisch nach vorn und fordert politisches Umsteuern
Das Ökosystem der Radlogistik in Deutschland verzeichnet erstmals seit Jahren keine Zuwächse mehr. Das zeigt der Branchenreport Radlogistik 2026, den der Radlogistikverband Deutschland e.V. (RLVD) gemeinsam mit der Technischen Hochschule Wildau veröffentlicht. Die Branche zeigt sich stabil, aber ohne nennenswerte Wachstumsimpulse. Die Ursachen liegen in der schwachen Konjunktur und einer fehlgeleiteten Verkehrs- und Wirtschaftspolitik des Bundes.
Stagnation auf stabilem Niveau
Der Umsatz im Ökosystem Radlogistik liegt mit 189,5 Mio. Euro nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Die Zahl der Beschäftigten ist mit 5.486 leicht rückläufig, hat sich seit 2020 aber mehr als verdoppelt (+111 %). Die Produktion von Lastenrädern und Anhängern bleibt mit rund 37.000 Einheiten stabil. Auch die Zahl der operativen Radlogistikunternehmen ist von 112 auf 107 leicht gesunken, was auf eine einsetzende Konsolidierung hindeutet.
Klimawirkung und Verkehrssicherheit
Trotz der wirtschaftlichen Stagnation bleibt die ökologische Bilanz der Radlogistik eindeutig: Im Jahr 2025 wurden rund 5,4 Mio. Kilometer per Lastenrad zurückgelegt und dabei etwa 1.400 Tonnen CO₂ eingespart. Erneut gab es keinen tödlichen Unfall im Zusammenhang mit der Lastenradnutzung. Die Branche bestätigt damit ihren Ruf als sichere, stadtverträgliche Logistiklösung.
Innovationskraft und neue Geschäftsfelder
Während die Zahl der Transportunternehmen leicht sinkt, wächst das Ökosystem an anderen Stellen weiter: Die Zahl der Hersteller stieg um 8 %, der Bereich Handel, Service und Werkstätten wuchs um 6 %. Lastenräder und Lastenanhänger halten in immer mehr Wirtschaftsbereichen abseits der klassischen Logistik Einzug.
Verhaltener Optimismus für 2026
Trotz der gedämpften Wirtschaftslage blicken die Unternehmen verhalten optimistisch nach vorn: 84 % der Befragten rechnen für 2026 mit mindestens stabilen Umsätzen, die Hälfte erwartet sogar ein Wachstum. 46 % gehen von einer konstanten Belegschaft aus, 35 % planen Personalaufbau. Das erwartete mittlere jährliche Wachstum für die nächsten fünf Jahre liegt bei 14 %.
Klare Forderungen an die Politik
Die Akteure des Ökosystems Radlogistik formulieren deutliche Erwartungen an die Bundesregierung: Sie fordern den konsequenten Ausbau der Fahrradinfrastruktur, mehr Verkehrssicherheit und die Einrichtung von Zero Emission Zones in Innenstädten. Ordnungspolitisch drängt die Branche auf einen weiterhin innovationsoffenen Rechtsrahmen für Commercial Cargo Bikes. In der Wirtschaftspolitik werden eine verlässliche Förderkulisse für gewerbliche Lastenräder, bessere Bedingungen für Startups und höhere CO₂-Preise verlangt. Bürokratieabbau und eine konsequente Verankerung von Nachhaltigkeitskriterien in öffentlichen Ausschreibungen stehen ebenfalls weit oben auf der Agenda.
Stimmen zum Branchenreport
Ernst Brust, Vorstandsvorsitzender des RLVD:
„Die rote Null ist ein Weckruf – aber kein Grund zur Resignation. Unser Ökosystem hat sich in fünf Jahren mehr als verdoppelt, bei Umsatz wie bei Beschäftigung. Dieses Fundament ist tragfähig. Was jetzt fehlt, ist ein politischer Rahmen, der nicht länger Verbrenner subventioniert, sondern die effizienteste Form der urbanen Logistik fördert. Commercial Cargo Bikes brauchen nur zehn Prozent der Energie konventioneller Nutzfahrzeuge. Wer in Zeiten knapper Kassen Kosten sparen will, muss auf das Lastenrad setzen.“
Prof. Dr. Christian Rudolph, Technische Hochschule Wildau:
„Die Daten zeigen ein klares Bild: Dort, wo die Radlogistik bereits etabliert ist, hält sie sich auch in schwierigem wirtschaftlichen Umfeld. Die Branche konsolidiert sich, aber sie bricht nicht ein. Besonders bemerkenswert ist, dass die Innovationsdynamik ungebrochen bleibt – neue Hersteller und Dienstleister kommen hinzu, die Einsatzfelder erweitern sich stetig. Für die Forschung bestätigt das den Befund: Die Radlogistik ist kein Nischenphänomen mehr, sondern ein eigenständiges Wirtschaftsökosystem mit Reifepotenzial.“
Über den Radlogistikverband Deutschland e.V.
Der Radlogistikverband Deutschland (RLVD) setzt sich für die Verbreitung und Weiterentwicklung von Commercial Cargo Bikes in der Logistik und im urbanen Wirtschaftsverkehr ein und vertritt die Interessen des Ökosystems der Radlogistik. Der Verband wurde im September 2018 in Berlin gegründet und hat rund 90 Mitglieder. Als Teil von European Cycling Industries fungiert er als zentrale Netzwerkplattform der Branche.
Über die Technische Hochschule Wildau
Die Professur für Radverkehr in intermodalen Verkehrsnetzen an der TH Wildau qualifiziert Studierende im Rahmen eines eigenen Masterstudiengangs zu zukunftsorientierten Radverkehrsplanerinnen und -planern unter Einsatz innovativer Lehr- und Lernkonzepte. Einer der Forschungsschwerpunkt liegt im Bereich der Radlogistik. Die Professur verfolgt das Ziel, die Mobilitätswende aktiv mitzugestalten und eine sichere, diskriminierungsfreie Mobilität für alle Bevölkerungsgruppen zu fördern.
Pressekontakt
Radlogistikverband Deutschland e.V.
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Dr. Tom Assmann
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